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Er ist der jüngste Politiker im Rat Garbsen

Landwirt Jan-Henning Rathe aus Osterwald Oberende ist mit 34 Jahren der jüngste Politiker im Rat der Stadt Garbsen. Quelle: Gerko Naumann (www.haz.de)
Landwirt Jan-Henning Rathe aus Osterwald Oberende ist mit 34 Jahren der jüngste Politiker im Rat der Stadt Garbsen. Quelle: Gerko Naumann (www.haz.de)

Wo ist Garbsen spitze? In unserer Sommerserie suchen wir Superlative in der Stadt – etwa den höchsten Punkt und das älteste Gebäude. Jan-Henning Rathe (34) aus Osterwald ist das jüngste Ratsmitglied.

 

Osterwald. Ein Freund von Jan-Henning Rathe hat dessen Tagesablauf jüngst bei einem gemütlichen Grillabend mit einem knackigen Zitat auf den Punkt gebracht: „Morgens Attacke, abends Krawatte. Das trifft es ziemlich gut“, sagt Rathe. Der 34-Jährige ist im Herbst 2016 für die CDU in den Rat der Stadt Garbsen gewählt worden. Dort ist er der Jüngste – die meisten ehrenamtlichen Kommunalpolitiker sind mindestens 20 Jahre älter. Das ist der Teil mit der Krawatte, auch wenn Rathe die nicht bei jeder Sitzung trägt.

 

Und die Attacke? Die erlebt Rathe jeden Tag vor der Haustür, auf dem Bauernhof der Familie in Osterwald Oberende. Den betreibt er gemeinsam mit seinen Eltern – bereits in der fünften Generation. „Ich kann mir keinen anderen Beruf für mich vorstellen“, sagt der gelernte Landwirt auf dem Weg in den Kuhstall. Dort wird er von Dutzenden Rindern begrüßt. Die kommen bereits als Kälber auf den Hof. Dann werden sie von der Familie aufgezogen und gepflegt, bis sie trächtig werden. „Dann verkaufen wir sie weiter“, erklärt Rathe. Für den einzigen Bullen auf dem Hof bedeutet das viel Arbeit: „Er ist dafür zuständig, die Tiere tragend zu machen, wenn sie im richtigen Alter sind“, sagt Rathe.

 

Mais leidet unter der Trockenheit

 

Neben der Tierzucht kümmern sich der 34-Jährige und seine Eltern auch um mehrere Felder in Osterwald. Dort werden derzeit unter anderem Weizen, Roggen und Gerste geerntet. Vor allem der Mais hat unter der anhaltenden Trockenheit gelitten und wird bei Weitem nicht so viel Ertrag bringen wie in den Vorjahren. Davon lässt sich Rathe die Laune nicht verderben: „Als erfahrene Landwirte müssen wir solche Ernten einkalkulieren, es hätte schlimmer kommen können“, sagt er.

Und wo bleibt da noch Zeit für die Politik nach Feierabend? Rathe lacht. „Die Frage ist berechtigt. Meine Freizeit ist schon so relativ knapp bemessen“, sagt er. Doch auch in diesem Bereich sei er eben familiär vorbelastet. Schon sein Großvater war Ortsbürgermeister in Laderholz (Neustadt), sein Vater engagierte sich im Ortsrat Osterwald – natürlich für die CDU. Auch dazu fällt Rathe ein passendes Zitat ein. Es stammt von einem damaligen Ausbilder – und ist ihm im Gedächtnis geblieben: „Hast Du ’nen Trecker und ’ne Kuh, gehörst Du in die CDU.“

 

Das Engagement für seine Stadt sieht Rathe nicht als Belastung an, sondern als Chance. „So kann ich meinen Teil dazu beitragen, dass Garbsen so lebenswert bleibt, wie es jetzt schon ist“, sagt der Landwirt. In seiner Fraktion sieht er sich als Teil einer Mannschaft. Das bedeute auch: Wenn in der Fraktion eine Entscheidung gefällt wird, stehe er dazu und vertrete diese auch nach außen. „Das gilt auch, wenn es nicht zu 100 Prozent meine Überzeugung ist“, betont Rathe.

 

Die sechste Generation ist unterwegs

 

Bereits seit 2014 hat Rathe zudem einen Sitz im Ortsrat Osterwald. Das war für ihn selbstverständlich, schließlich hat er sein ganzes Leben dort verbracht: „Ich bin in Osterwald aufgewachsen, ich lebe und arbeite hier. Momentan sehe ich keinen Grund, warum ich irgendwann mal von hier weggehen sollte.“ Und die Zukunft hat der 34-Jährige ebenfalls geplant. Er wird seine Freundin demnächst heiraten – das Paar erwartet das erste Kind. Damit könnte der Grundstein für die sechste Generation des Hofs Rathe gelegt sein.

 

Von Gerko Naumann (www.haz.de)